Ilmenauer Pokalhelden sorgen für eine Überraschung

Am vergangenen Wochenende durfte sich der Ilmenauer Schachverein als amtierender Vizemeister im Thüringenpokal erneut in der Vorrunde der deutschen Pokalmannschaftsmeisterschaft mit hochkarätigen Mannschaften messen. Bei diesem Wettbewerb treten acht vorberechtigten Mannschaften und die zwei qualifizierten Mannschaften eines jeden Bundeslandes mit jeweils vier Spielern gegeneinander an, um unter den 40 Teilnehmern den neuen Pokalsieger im K.O. – Modus zu ermitteln.

Während die Reise im letzten Jahr ins entfernte niederbayrische Ortenburg führte, konnte man nun bei der Fahrt zum ausrichtenden Verein SV Merseburg fast schon von einem Heimspiel sprechen. Vor Ort fanden sich darüber hinaus mit Rotation Pankow und der SG Leipzig zwei sehr spielstarke Mannschaften aus der Oberliga ein, in deren Reihen sich zahlreiche Titelträger befinden. Die Losfee bescherte am Samstagmorgen kurz vor Spielbeginn die Paarungen Rotation Pankow – Ilmenauer SV und SV Merseburg – SG Leipzig. Obgleich sowohl die Gastgeber als auch die Ilmenauer Schachfreunde mit Sebastian Zehnter, Aleksey Sukaylo, Stefan Schenk und Kristoffer Falk an den vier Brettern nahezu das volle Potential ausschöpften, waren Beide gegen die Mannschaften aus Berlin und Leipzig in der Rolle des Underdogs. Während die Ilmenauer Schachfreunde im letzten Jahr gegen den ähnlich starken Heilbronner SV mit 0:4 sehr deutlich die Grenzen ihres schachlichen Könnens aufgezeigt bekamen, wollten sie sich dieses Mal gegen die Mannschaft aus Berlin achtbarer schlagen. Diese guten Vorsätze waren auch erforderlich, denn die Mannschaft aus Pankow brachte im Durchschnitt ca. 100 ELO-Punkte mehr an die Bretter. Zu Beginn der Partien zeigte sich auch, dass dieser Vorsprung in der Spielstärke nicht von ungefähr kommt. So fand Kristoffer Falk mit Weiß an Brett 4 nach zweieinhalb Stunden Spielzeit kein probates Mittel, um die solide Stellung seines Kontrahenten Martin Weber in der Katalanischen Eröffnung zu knacken – Remis. An Brett 3 fehlte Stefan Schenk der richtige Plan, um mit Schwarz im Grand-Prix-Angriff der Sizilianischen Verteidigung die notwendigen Akzente gegen das Angriffsspiel von Norman Daum zu setzen und musste daher nach 3,5h Spielzeit die Waffen strecken. An Brett 2 jedoch agierte Aleksey Sukaylo in Topform und gab dem druckvollen Spiel von seinem fast 150 Punkte stärkeren Kontrahenten Jürgen Lisek keinen Raum, so dass er mit Schwarz in der Spanischen Partie die gegnerische Initiative im Mittelspiel neutralisieren und souverän einen weiteren halben Punkt für die Ilmenauer in einem ausgeglichenen Turmendspiel erzielen konnte. Bei einem Rückstand von 1:2 lag es nun an Sebastian Zehnter, gegen FM Detlef Boetzer volles Risiko für einen vollen Punkt einzugehen. Bei dieser Gelegenheit behielt er in beiderseitiger Zeitnot die Nerven und trug zur Freude der Mannschaftskollegen überlegt einen schön herausgespielten Angriff gegen den schwarzen König vor, der diesem nicht entrinnen konnte (s. Partie des Tages). Durch diesen Sieg entschied nun über das Weiterkommen bei einem 2:2 Endstand die Berliner Wertung zugunsten der Ilmenauer. Durch diesen Erfolg haben die vier Ilmenauer Spieler an diesem Wochenende die Vereinschronik um ein weiteres Kapitel ergänzt, denn zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte gelang es, in der deutschen Pokalmeisterschaft für Mannschaften in der ersten Runde eine gegnerischen Mannschaft zu bezwingen. Doch noch war dieses besondere Wochenende nicht vorüber, denn durch diesen Sieg traf man am Sonntagmorgen auf die Leipziger Mannschaft, die sich gegen den SV Merseburg trotz hartnäckiger Gegenwehr am Ende mit 4:0 durchsetzen konnte. Bei diesem Duell wurde für die Ilmenauer Pokalhelden ähnlich zum Hochsprung nach dem Überwinden einer Hürde die Messlatte ein großes Stück nach oben verschoben, galt es doch nun sich bei einem Spielstärkeunterschied von durchschnittlich 150 Punkten an den einzelnen Brettern zu behaupten. Beflügelt von dem vorhergehenden Erfolg ließen die Ilmenauer Spieler jedoch ihr individuelles schachliches Können hell aufblitzen und sorgten über die gesamte Spieldauer für ein ausgeglichenes Duell, in dem sogar das Pendel mit drei potentiellen Gewinnstellungen in kritischen Spielsitatuationen mit einem Quäntchen Glück und Caissas Hilfe durchaus in ihre Richtung hätte ausschlagen können. Doch am Ende setzte mit der Oberligamannschaft aus Leipzig der Favorit gegen den großartig spielenden Underdog mit 3:1 durch. Kristoffer Falk an Brett 3 gegen Leonard Richter und Sebastian Zehnter an Brett 1 gegen FM Christoph Natsidis konnten zwei halbe Punkte erzielen. Aleksey Sukaylo und Stefan Schenk gelang es ebenfalls, ihre Partien gegen ihre spielstärkeren Kontrahenten Alex Dac-Vuong Ngyuen und Rainer Rösemann lange Zeit völlig ergebnisoffen zu gestalten und einige gezielte Nadelstiche zu platzieren, doch am Ende mussten beide einsehen, dass die Leipziger Spieler heute einen Tick besser waren. Ungeachtet dieser Niederlage war das vergangene Pokalwochenende für die Ilmenauer Spieler auf ganzer Linie ein voller Erfolg, das noch lange für heitere Gespräche und wertvolle Partieanalysen an den kommenden Vereinsabenden sorgen wird.

Stellung nach dem 32. Zug von Schwarz.
Wie setzt Weiß seinen Angriff gegen die schwarze Königsstellung fort?

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